L'Impresario delle Canarie

  
  Intermezzi von Domenico Sarro (1679-1744) und Johann Adolf Hasse (1699-1783)

Dorina Nadja Stefanoff, Mezzosopran 
Impresario Nibbio Florian Hartfiel, Bariton 
Clown (Vater der Dorina)
und Altstar der Oper
Rainer König 
Regie Tom Quaas 
Bühne Tom Böhm 
Kostüme Sigrid Herfurth 

Batzdorfer Hofkapelle;
2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabaß, Theorbe, Laute, Cembalo

Premiere: 23. August 2002

Die neue Opernsaison steht bevor. Die Impresarios der Opernwelt durchstreifen wieder ganz Europa auf der Suche nach jungen, unverbrauchten Stimmen. Einer von ihnen, Impresario Nibbio von den kanarischen Inseln hat Glück: Er entdeckt irgendwo in Italien auf einer Piazza d i e Sängerin der kommenden Saison: Dorina. Dorina ist die Tochter eines Clowns und tritt auf den Jahrmärkten während der Vorführungen ihres Vaters als Blick- und Hörfang auf. Impresario Nibbio glaubt, leichtes Spiel damit zu haben, dieses Aschenputtel aus seiner Tristesse in das glanzvolle Leben der Opernwelt zu entführen.

Aber so einfach, wie erhofft, ist es nicht: Dorina, das Straßenkind, scheint widerborstig zu sein Dabei sind ihr nur Menschen, die den größten Teil ihres Lebens damit verbringen, sich selbst zu inszenieren, unbegreiflich. Nubbio allerdings befürchtet, in ihr schon das zu erkennen, was alle Impresarios fürchten: die Diva. Da der Impresario nicht nur ein zahlungskräftiger Unternehmer mit eigenem Opernhaus ist, sondern auch Komponist und Dichter, und er in Dorina die grandiose Besetzung für seine Kantate wittert, bietet er ihr einen Exklusiv-Vertrag an.

Dorinas Vater hat zwar nicht die Bedeutung der Stimme seiner Tochter erkennt, merkt aber sofort, welche Möglichkeiten sich für seine Tochter durch dieses Angebot eröffnen: der soziale Aufstieg. Es wird eine lockere Probe vereinbart, um sich kennenzulernen.

Und nun wird das Publikum Zeuge einer jener typischen Proben, wie man sie sich so vorstellt. Ein wenig weicht unsere Probe allerdings vom Normalfall ab. In ihrem Verlauf wird der Impresario von tiefer Resignation erfaßt, bis Dorina sich ihm zu Füßen wirft und ihn mit einer grandiosen Vorführung ihrer Stimme wieder für sich einnimmt. Danach ist sie engagiert. Doch Dorinas Zukunft gestaltet sich konfliktreicher, als es allen Beteiligten lieb ist. Sie sieht sich als Koloraturmaschine benutzt und - und das bringt das Faß zum Überlaufen - als menschliche Kostümstange.

Es kommt der Tag der Uraufführung: Der Impresario hat weder Mühen noch Aufwand gescheut, um sich ein Denkmal zu setzen. Er steht natürlich auch im Zentrum seines Abends. Alle anderen sind als Komparsen um ihn herumdrapiert. Dorina wird jetzt das ganze Ausmaß seiner Selbstdarstellung bewußt. Sie fühlt sich nicht nur benutzt, sondern sogar erniedrigt, und es kommt während der Uraufführung auf offener Szene zum Eklat. Sie verweigert stimmgewaltig den ihr zugewiesenen Part. Stille. Und dann geschieht für alle Beteiligten das bis dahin für sie Unvorstellbare: Durch ihre Kraft zur Verweigerung erwacht er aus seiner Selbstverliebtheit und improvisiert, um Dorina von ihrer Flucht von der Bühne abzuhalten. Der Kampf der beiden führt sie bis an den Rand der Selbstauflösung.