Il filosofo convinto in amore

Johann Friedrich Agricola (1720 – 1774)

Besetzung:

Lesbina – Jana Reiner, Sopran
Anselmo – Ingolf Seidel, Baß
Tanz – Katja Erfurth und Thomas Hartmann
Regie – Tom Quaas
Bühnenbild – Tom Böhm
Kostüme – Sigrid Herfurth
Choreographie – Katja Erfurth und Thomas Hartmann

Batzdorfer Hofkapelle;
2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabaß, Theorbe, Laute, Cembalo

I. Wer die Welt als falsch und als Feind der Sterblichen bezeichnet, ist ein Lügner. So doziert Anselmo vor sich hin und fährt fort: nicht die schöne Schöpfung, sondern die menschliche Bosheit verursache alles Übel, und der Toskaner neige ganz besonders zum Böse sein. Lesbina, die eintritt und dem Reißaus nehmen wollenden Philosophen den Weg versperrt, bekommt zu hören, daß Anselmo die Frauen für den Gipfel der Schlechtigkeit halte und sie deshalb meide. Nun entspinnt sich ein Disput, wenn auch, Anselmos Forderung entsprechend, “alla lontana” (aus der Ferne). Unter dem Vorwand, sich belehren lassen zu wollen, fragt Lesbina nach der Vereinbarkeit von Philosophie, Liebe und Ehe. Anselmos Entgegnungen erweisen den Weiberfeind. – Wenn nun aber eine Frau ihm ihre glühende Zuneigung gestünde und sein Mitleid anriefe? So wollte er die Glut mit frischem Wasser löschen. – Lesbina begreift gar nicht, wie ein so gelehrter Mann derart unzivilisierte Ansichten haben könne, und sie schlägt ihm vor, er möge sich von einem jungen Studenten, der vor der Tür bereitstünde, sein Unrecht beweisen lassen. Sogleich geht sie, diesen zu “holen”. Insgeheim wünscht sie sich mit einem Stoßgebet Erfolg bei ihrem Unterfangen, den Hagestolz gefügig zu machen. – Derweil mutmaßt Anselmo ironisch über den zu erwartenden jungen Mann, er müsse ein Anhänger Platons sein. Und es folgt eine Philippika gegen die “platonische Liebe”, hinter der sich alle Unsitten versteckten. Anselmo: Sogar Eheleute führten ein ganz ungebundenes Leben – ob das wohl im Sinne Platons sei? Darauf folgt eine logische Beweisführung durch Lesbina: Das Leben sei das höchste Gut auf Erden. Man könne es sich über den Tod hinaus in seinen Kindern erhalten. Ohne Ehefrau gibt es aber keine Kinder. Da in allen ohne Liebe geschlossenen Ehen das Leben unerträglich sei, müsse man die Ehefrau lieben. Die Liebe stelle sogar eine hohe Tugend dar und wecke im Menschen alles Schöne und Gute. Und schließlich sei jedes Tier zur Liebe fähig – warum also nicht der Mensch? Anselmo erklärt sich für überwunden und zum Verlieben bereit. Wer aber soll seinen hohen Ansprüchen genügen? Der “Student” weiß Rat. Bevor man aufbricht “la dama a visitar”, muß Anselmo sich noch einige Unterweisungen bezüglich angemessener Kleidung und höflicher Umgangsformen gefallen lassen. Er zeigt sich gelehrig, und so herrscht bei beiden – aus sehr verschiedenen Gründen – volle Zuversicht.

II. Zu Hause, in Erwartung des Philosophen, frohlockt Lesbina. Wie sie schon früher bemerkte ist Anselmo wohlhabend und daher obendrein keine “schlechte Partie”. – Bei seinem Auftritt zeigt sich Anselmo verwirrt und hölzern (obschon nicht lächerlich), kommt aber nach erhaltener Erlaubnis, frei reden zu dürfen, in Fahrt, examiniert die Dame und prüft ihren Bildungsgrad und ihre Ansichten. Freiwillig fügt Lesbina hinzu, was sie über die Liebe habe reden hören: es sei unmöglich, deren Macht zu widerstehen. – Anselmo ist bezaubert und bringt, so schnell es sich tun läßt, seine “Erklärung” vor, die Lesbina huldreich anhört. Sein Liebesfeuer lodert so hoch auf, daß er ihr Jawort erbittet und erhält, bevor er noch ihren Namen weiß. Zu seiner Überraschung sieht er sich nun als Bräutigam der vor kurzem noch geschmähten Lesbina (demnach war sie auch bei ihrem ersten Auftritt verkleidet?) und hört mit Entzücken von ihrer Studentenrolle. Als die Braut ihm aber den Ehekontrakt vorlegt und verlangt, als treue Ehegenossin, doch nicht als Sklavin behandelt zu werden und im Studieren auch nicht den einzigen Daseinszweck sehen zu müssen, als sie im Gegenteil fordert nach Herzenslust zu Bällen und Gesellschaften gehen zu dürfen, da erkaltet Anselmos Liebe so rasch wie sie erwachte. Er löst die Verlobung, die er im guten Glauben schloß, einen weißen Raben gefunden zu haben; einem schwarzen gegenüber fühlt er sich nicht gebunden. Lesbina möge fürderhin tun, wonach ihr der Sinn stehe, ihn kümmere es nicht. Vergeblich erinnert die also Abgeblitzte an die soeben erst empfangenen Liebesschwüre. Das Ende sind gegenseitige Beschimpfungen.

III. Wieder meditiert Anselmo: Wären die Männer sich eines Tages einig und nähmen Haltung an, so hätten die Herrschaft der Frauen ein Ende. Ihm selbst sit nachträglich klargeworden, daß er als der Unterlegene vom Kampfplatz ging, und so versucht er (ohne “Haltung”), mit Lesbina wieder Frieden zu schließen. Alle harten Worte habe er “col labro, e non col core” gesagt. Lesbina ihrerseits wirft alle ihre Tugenden und Vorzüge in die Waagschale. Die Versöhnung stört ein Visite machender “Zerbino”. Da Lesbina den Besucher nicht abweist, will Anselmo, von Eifersucht geplagt, das Tischtuch abermals zerschneiden. Lesbina streckt mitnichten die Waffen; sie greift zur List. Wie zufällig spielt sie Anselmo ein Mädchenbildnis in die Hände. Dieser, voll trotziger Rachegelüste, bewundert es laut und bekommt nun i h r e Eifersucht zu spüren. Lesbina steigert sich in einen kleinen Wahnsinnsanfall hinein, worin sie alle Höllengeister anruft, den Ungetreuen “in mezzo al fuoco” zu führen. Ihr eigenes trauriges Los beklagt sie mit einem Gleichnis. Das Mittel wirkt. Anselmo unterbricht den Arien-Erguß mit der flehentlichen Bitte an Lesbina, in ihm doch wieder den Bräutigam zu sehen. So mitgenommen ist er von der Szene, daß er dabei von Schluchzern geschüttelt wird. – Wiederum sind Lesbinas Forderungen hinsichtlich ihres künftigen Lebensstils der Prüfstein. Und diesmal werden sie von Anselmo akzeptiert. Der Philosoph entschließt sich zum Kompromiß: wer heiraten wolle, müsse sich gelassen ins Unvermeidliche schicken. In beiderseits großer Vorfreude auf die Hochzeit tanzt man an Ort und Stelle ein Menuett.